Weniger Stunden, voller Impact: So findest du einen anspruchsvollen Teilzeitjob

Du suchst einen Job mit Sinn, aber nicht 40 Stunden die Woche? Dann kennst du das: Die spannenden Stellen sind in Vollzeit ausgeschrieben, manche Teilzeitstellen liegen weit unter deinem Niveau. Gute Teilzeitjobs gibt es trotzdem. Sie sind nur schwerer zu finden. Johanna Fink, Mitgründerin von TEILZEIT.TALENTE, zeigt dir in fünf Schritten, wie du gezielt suchst, Stellenanzeigen richtig liest und deinen Teilzeitwunsch souverän vertrittst, von der ersten Recherche bis zu den ersten Wochen im neuen Job.

9 Min. Lesezeit

Foto von Curated Lifestyle auf Unsplash
Aktuelle Jobs zu diesem Thema
Alle 37 Berufseinstieg Jobs

Es gibt sie, die richtig guten Teilzeitjobs

Vielleicht kennst du das: Du scrollst durch die Jobbörsen, findest eine Stelle, die perfekt zu deinen Vorstellungen und Werten passt, und dann steht da wieder „Vollzeit“. Oder du findest eine Teilzeitstelle, aber die Aufgaben liegen weit unter dem, was du kannst.

Dabei ist Teilzeit längst kein Randphänomen mehr. 2025 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt über 30 Prozent der abhängig Beschäftigten in Teilzeit, so viele wie nie zuvor. Bei den Stellenanzeigen sieht es aber anders aus: Qualifizierte Positionen werden deutlich seltener in Teilzeit ausgeschrieben, Führungspositionen fast nie.

Ich war selbst viele Jahre Führungskraft in Teilzeit und habe mit Moritz Orendt TEILZEIT.TALENTE gegründet. Wir setzen uns für eine Arbeitswelt ein, in der bezahlte und unbezahlte Arbeit gerecht verteilt ist und Karrierechancen an Kompetenz hängen, nicht an Verfügbarkeit. Dafür braucht es gute Jobs in Teilzeit. Aus vielen Gesprächen mit Jobsuchenden wissen wir: Es braucht Klarheit, eine gute Strategie und etwas Durchhaltevermögen, um einen richtig guten Job in Teilzeit zu finden. Genau darum geht es in diesem Beitrag.

Das könnte dich interessieren:
Jobs im Bereich Berufseinstieg?
Täglich neue Jobs aus dem Bereich Berufseinstieg. Jetzt für kostenlosen Job-Alert anmelden.

Die Grundhaltung: Teilzeit ist kein Kompromiss

Bevor wir zu den Schritten kommen, ein Gedanke, der sich durch alles zieht: Teilzeit ist für uns kein Defizit, das du in der Bewerbung irgendwie wettmachen musst, sondern ein Arbeitsmodell, für das du dich aus guten Gründen entschieden hast.

Egal ob du Kinder betreust oder Angehörige pflegst, dich nebenberuflich weiterbildest, ehrenamtlich engagierst oder deine Gesundheit schützen möchtest. Gerade im Nachhaltigkeitssektor ist dieser Gedanke vertraut: Auch die eigene Arbeitskraft ist eine Ressource, mit der man langfristig gut haushalten sollte.

Dazu kommt: Dass ein vollwertiger Job 40 Stunden haben muss, ist eine Gewohnheit, kein Naturgesetz. Gleichzeitig ist Teilzeit in vielen Branchen schon längst kein Entgegenkommen mehr, sondern ein wichtiges Instrument gegen den Fachkräftemangel. Wer qualifizierte Menschen gewinnen und halten will, kommt an guten Teilzeitmodellen nicht vorbei, auch wenn der Arbeitsmarkt gerade angespannt ist.

Für deine Jobsuche heißt das: Wer sich für den eigenen Teilzeitwunsch entschuldigt, lädt das Gegenüber geradezu ein, ihn infrage zu stellen. Wer dagegen klar sagt, was er oder sie anbietet und wie das Modell in der Praxis funktionieren kann, wirkt professionell. Die Frage ist dann nicht mehr, ob Teilzeit funktioniert, sondern wie.

Schritt 1: Werde dir klar, was du willst

Eine der häufigsten Fallen bei der Jobsuche in Teilzeit ist, direkt loszulegen, ohne genau zu wissen, wonach du eigentlich suchst. Wer hingegen genau weiß, was er oder sie will, bewirbt sich gezielter und tritt im Gespräch überzeugender auf.

Denn Teilzeit ist kein fest definierter Begriff, in der Praxis sind diese drei Modelle üblich:

  • Vollzeitnahe Teilzeit (etwa 75 bis 90 Prozent): Zum Beispiel mit einem festen freien Tag pro Woche. Dieses Modell lässt sich in vielen Organisationen am leichtesten durchsetzen. Die Gefahr dabei: Für Teilzeit bezahlt zu werden und Vollzeit zu arbeiten.
  • Klassische Teilzeit (etwa 50 bis 75 Prozent): Zwei bis vier Tage pro Woche oder täglich weniger Stunden. Hier müssen Aufgaben und Arbeitszeit unbedingt zueinander passen, sonst droht zwangsläufig Überlastung.
  • Jobsharing: Zwei Personen teilen sich eine Stelle, in Führungspositionen spricht man dann von Topsharing oder Co-Leadership.

Lege für dich fest, wie viele Stunden du mindestens und höchstens arbeiten willst, wie sie sich über die Woche verteilen sollen und welche Zeiten für dich nicht verhandelbar frei bleiben sollen. Plane dabei ehrlich: Wegezeiten, Krankheitsphasen und Zeit für dich gehören auch dazu, gerade wenn du Erwerbs- und Care-Arbeit vereinbarst.

Genauso wichtig wie die Arbeitszeit und ihre Verteilung sind weiteren Kriterien wie das Wunschgehalt und die Gehaltsuntergrenze, der gewünschte und notwendige Anteil Homeoffice und die Branchen oder Organisationen, die für dich infrage kommen. Wenn du dir deine wichtigsten Kriterien notierst, hast du später einen Kompass für die weitere Suche.

Topsharing und Führung in Teilzeit

Für anspruchsvolle Rollen und Führungspositionen ist die Arbeit im Tandem oft das stärkste Modell: Zwei Personen teilen sich eine Stelle, beide in Teilzeit, und bringen doppelte Perspektive und mehr Ausfallsicherheit mit. Du kannst dich gemeinsam mit einer/einem Tandem-Partner:in bewerben, über Plattformen wie PairToShare jemanden suchen oder das Thema im Gespräch selbst einbringen. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Interview zu Jobsharing im Tandem hier im Magazin. Und über Führung in Teilzeit habe ich im NachhaltigeJobs-Podcast ausführlich gesprochen.

Schritt 2: Suche mit System

Jetzt geht es an die Suche, und hier erleben die meisten Teilzeitsuchenden den größten Frust. Mein Mitgründer Moritz kuratiert jede Woche unseren Job-Newsletter. Sein Recherche-System lässt sich genauso gut für die eigene Suche nutzen. Gute Stellen kommen vor allem aus drei Quellen:

  • Auf Jobbörsen: Nutze Jobbörsen mit den richtigen Filtern für deine Suche. Kombiniere den Teilzeitfilter mit Ort und Karrierestufe, auf LinkedIn etwa „Berufserfahren“ oder „Manager“. So sortierst du einen Großteil der Werkstudenten- und Aushilfsjobs aus. Wenn du einen Job mit Sinn suchst, lohnt sich zusätzlich ein spezialisiertes Portal wie NachhaltigeJobs mit seinem Filter für Teilzeitjobs.
  • Direkt bei Wunsch-Arbeitgebern: Viele gute Stellen tauchen nie auf einer Jobbörse auf, sondern nur auf der Karriereseite der Organisation. Lege dir eine Liste mit mindestens fünf Organisationen an, für die du wirklich gern arbeiten würdest. Damit du nicht jede Woche manuell nachsehen musst, kann ein Dienst wie Visualping die Seiten überwachen und dich bei Veränderungen benachrichtigen. Das ist besonders bei kleineren Vereinen und Stiftungen ohne eigenen Job-Newsletter praktisch.
  • Dein Netzwerk: Ein erheblicher Teil der Stellen wird gar nicht ausgeschrieben, sondern über Kontakte vergeben. Das ist gerade für Teilzeitsuchende eine Chance, denn hier steht von Anfang an der Mensch mit seinen Fähigkeiten im Vordergrund und nicht eine Stelle mit festgelegter Stundenzahl. Lass also andere wissen, dass du suchst. Wie du den verdeckten Arbeitsmarkt und Initiativbewerbungen nutzt, hat NachhaltigeJobs ausführlich beschrieben.

Damit du auch wirklich dranbleibst, hilft eine feste Routine: Zwei bis drei Kanäle, feste Zeiten, und alle zwei Wochen ein Blick auf deine Liste. Einen Teil der Arbeit nimmt dir auch unser TEILZEIT.TALENTE Job-Newsletter ab. Er kommt jeden Donnerstag mit kuratierten, auf echte Teilzeittauglichkeit geprüften Stellen aus München, Berlin, Hamburg und remote.

Schritt 3: Lies Stellenanzeigen richtig

Viele Anzeigen enthalten heute den Zusatz „Voll- oder Teilzeit“. Ob die Stelle wirklich teilzeittauglich ist, sagt dieser Hinweis allein aber noch nicht. Ein genauerer Blick lohnt sich.

Gute Zeichen sind:

  • Eine konkrete Stundenangabe, beispielsweise als Korridor („25 bis 30 Stunden”)
  • Eine transparente Gehaltsspanne
  • Anforderungen, die realistisch zum Stundenumfang passen
  • Konkret beschriebene Homeoffice-Möglichkeiten

Vorsicht ist geboten bei:

  • Teilzeit als Option ohne Stundenzahl, etwa „grundsätzlich auch in Teilzeit möglich“
  • Sehr langen Aufgabenlisten für eine 20-Stunden-Stelle, denn dann war die Stelle vermutlich als Vollzeit gedacht und wurde nur um das Wort „Teilzeit“ ergänzt
  • Formulierungen wie „hohe Belastbarkeit“ oder „kurzfristige Verfügbarkeit“ ohne Kontext

Schau dir außerdem die Organisation selbst an: Nennt sie konkrete Beispiele, wie Teilzeit im Alltag funktioniert? Sind Mitarbeitende in Teilzeit sichtbar, etwa in den sozialen Netzwerken?

Ein Tipp zum Schluss: Wenn du vollzeitnah arbeiten möchtest, zum Beispiel 32 Stunden, und deine Wunschorganisation nur Vollzeitstellen ausschreibt, bewirb dich trotzdem. Gerade kleinere Organisationen sind häufig offener für individuelle Modelle, als die Anzeige vermuten lässt.

Schritt 4: Bring deinen Teilzeitwunsch souverän rüber

Wann und wie du Teilzeit ansprichst, ist die Frage, die Bewerbende am meisten verunsichert. Die gute Nachricht: Es gibt nicht „den einen” richtigen Weg.

Ist die Stelle in Teilzeit ausgeschrieben, gehört dein Wunschmodell selbstverständlich in die Bewerbung. Ist sie in Vollzeit ausgeschrieben, hast du zwei Möglichkeiten. Entweder du sprichst deinen Wunsch im ersten Gespräch an, nachdem du dort persönlich überzeugt hast. 

Der andere Weg: Du schreibst deinen Arbeitszeitwunsch grundsätzlich ins Anschreiben oder den Lebenslauf, weil dir Transparenz von Anfang an wichtig ist. Wähle den Weg, der zu dir passt. Wichtig ist nur: Bei einer Vollzeitstelle sprichst du das Thema spätestens am Ende des ersten Gesprächs an, sonst fühlt sich dein Gegenüber getäuscht.

Im Anschreiben ist dein Teilzeitwunsch genau ein Satz, ohne Entschuldigung und ohne Erklärung, zum Beispiel: „Ich bringe langjährige Erfahrung im Projektmanagement mit und suche eine Stelle im Umfang von 25 bis 30 Stunden pro Woche.“ Deine Gründe für Teilzeit sind Privatsache. Den Rest des Anschreibens füllst du mit dem, worauf es ankommt: Warum die Organisation dich braucht und was dich für diese Stelle besonders qualifiziert.

Im Gespräch hilft kann dir eine einfache Haltung helfen: Einwände sind oft keine Absage, sondern eine Sorge, die sich lösen lässt. Auf „Wir hatten uns das eher als Vollzeitstelle vorgestellt“ kannst du fragen, was genau die Rolle aus Sicht der Organisation in Vollzeit erfordert. Wenn das Thema noch neu ist, kann der sogenannte Als-ob-Rahmen helfen: „Mal angenommen, die Position wäre auch in Teilzeit möglich. Was würden Sie dafür brauchen?“

Die überzeugendsten Kandidat:innen zeigen, dass sie sich Gedanken gemacht haben, wie ihr Modell in genau dieser Rolle funktioniert: Wie gehst du mit Meetings an deinem freien Tag um? Wie könnte die Stelle an deine Verfügbarkeit angepasst werden? Wie kann die Aufgabenverteilung zwischen euch aussehen, wenn ihr euch im Tandem bewerbt? Du musst nicht auf jede Frage die perfekte Lösung haben. Aber dein Gegenüber sollte merken, dass du vorbereitet bist.

Schritt 5: Komm gut an

Du hast den Job? Glückwunsch! Wie du die ersten Wochen gestaltest, prägt, wie dein:e Kollg:innen und dein:e Chef:in Teilzeit in dieser Rolle erleben und damit auch was von dir in dieser Rolle erwartet wird.

Kläre deshalb Erwartungen so früh wie möglich. Nach meiner Erfahrung ist der häufigste Fehler am Anfang nicht, etwas falsch zu machen, sondern zu wenig zu kommunizieren: Wie laufen Übergaben? Wie erreichbar bist du an freien Tagen? Wer entscheidet, wenn du nicht da bist?

Auch wichtig und eng damit verbunden: Setze Grenzen, bevor sie verschwimmen. Hier eine Mail am freien Tag, dort ein kurzes Meeting: Der Druck, verfügbar zu sein, wächst schleichend. Mach deine Arbeitszeiten in Kalender und Mailsignatur sichtbar und geh erst einmal davon aus, dass dein Gegenüber sie schlicht nicht im Blick hat, wenn eine Anfrage außerhalb deiner Arbeitszeiten reinkommt.

Und last but noch least: Sorge für Sichtbarkeit über Ergebnisse statt über Anwesenheit. Halte deine Führungskraft auf dem Laufenden in Bezug auf das, was du erledigt hast, woran du arbeitest und was du als nächstes planst. Im Fokus sollten immer deine Ergebnisse stehen.

Fazit: Klarheit schlägt Masse

Die Suche nach einem anspruchsvollen Teilzeitjob ist kein leichter Weg, mit der richtigen Strategie aber kein unmöglicher. Wenn du weißt, was du willst, gezielt suchst, Anzeigen kritisch liest und deinen Teilzeitwunsch ohne Rechtfertigung vertrittst, hast du wichtige Hebel in der Hand.

Trotzdem bleibt die Jobsuche in Teilzeit harte Arbeit - seit diesem Herbst unterstützen wir deshalb Jobsuchende in Teilzeit auf ihrem Weg: Im Januar startet die nächste Runde unseres 6-Wochen-Programms "Jobsuche mit Rückenwind". Gemeinsam planen wir  jeden Montag die Jobsuche-Woche und besprechen freitags, was du umgesetzt hast. Wenn du Interesse hast, schreib mir gerne an info@teilzeittalente.de.

 

Über die Autorin

Johanna Fink ist Expertin für Teilzeitarbeit, Trainerin, Coach und Autorin des Praxisbuchs „So wird Führung in Teilzeit zum Erfolg!“. Sie war selbst viele Jahre Führungskraft in Teilzeit und hat 2023 gemeinsam mit Moritz Orendt TEILZEIT.TALENTE gegründet.

Der berühmte (& kostenlose!)
NachhaltigeJobs-Newsletter  
  Ausblenden

Melde dich für unseren NachhaltigeJobs-Newsletter an und verpasse keine spannenden Jobs und Neuigkeiten mehr!
1x pro Woche vollgepackt mit aktuellen Infos: